Die Delegierten beschäftigten sich intensiv mit der aktuellen Situation in der Industrie. Insbesondere die Automobil- und Zulieferbranche steht weiterhin unter Druck. Fehlende Nachfrage nach Fahrzeugen, Unsicherheiten bei Investitionen und zunehmender Kostendruck führen vielerorts zu Sorgen um Arbeitsplätze und Standorte. Gleichzeitig sorgen hohe Dividendenzahlungen großer Automobilhersteller bei vielen Beschäftigten für Unverständnis. Die Diskussion machte deutlich: Die Zukunft der Industrie darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.
Kritisch bewertet wurden auch aktuelle Forderungen von Arbeitgeberseite nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Für die IG Metall sind längere Arbeitszeiten nicht die Antwort auf die Herausforderungen der Branche. Stattdessen braucht es Investitionen, Innovationen und eine aktive Industriepolitik, die Beschäftigung sichert und Zukunftsperspektiven schafft.
Im Fokus standen zudem die bevorstehenden Aktionen der Gewerkschaften. Am 21. September beteiligt sich die IG Metall am bundesweiten Aktionstag der Automobilindustrie. Nur wenige Tage später folgt am 26. September der DGB-Aktionstag in Erfurt. Dort werden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus ganz Thüringen gegen Kürzungen im Arbeits- und Sozialrecht auf die Straße gehen und für gute Arbeit, soziale Sicherheit und einen starken Sozialstaat eintreten.
Auch konkrete betriebliche Entwicklungen wurden beraten. Thema waren unter anderem die Verhandlungen bei der Westfälischen Drahtindustrie zu Sonderzahlungen. Ein weiterer Schwerpunkt war die zunehmende Infragestellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Immer häufiger berichten Beschäftigte davon, dass Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern oder Krankschreibungen nicht anerkennen. Beide Beispiele zeigen deutlich, wie wichtig eine starke betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung weiterhin ist.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Tarifbewegung Herbst 2026. Die Delegierten informierten sich über die Zusammensetzung der Tarifbewegung und die nächsten Schritte. Dabei wurde deutlich: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre Forderungen einzustehen. Sollten die Arbeitgeber keine akzeptablen Angebote vorlegen, werden auch Warnstreiks ein Thema sein.
Positiv fiel der Blick auf die Entwicklung der Geschäftsstelle aus.
Die Ansprachewoche hat erneut gezeigt: Jedes Gespräch zählt. Rund 950 Gespräche mit Beschäftigten haben verdeutlicht, wie wichtig der direkte Austausch in den Betrieben ist. Mehr als 50 Kolleginnen und Kollegen haben sich dabei für eine Mitgliedschaft in der IG Metall entschieden. Denn bessere Arbeitsbedingungen, erfolgreiche Tarifbewegungen und echte Verbesserungen lassen sich nur mit einer starken Gewerkschaft durchsetzen. Die positive Mitgliederentwicklung zeigt: Immer mehr Beschäftigte setzen auf die Stärke der Gemeinschaft.
Ein Beispiel gelebter Solidarität ist die Unterstützung der Beschäftigten von Kelvion im Altenburger Land. Kolleginnen und Kollegen aus Suhl-Sonneberg haben die Auseinandersetzung um den Standort aktiv begleitet und ihre Solidarität gezeigt. Solche Beispiele verdeutlichen, wie wichtig Zusammenhalt über Betriebs- und Regionsgrenzen hinweg ist.
Die Delegiertenversammlung machte deutlich: Die Herausforderungen sind groß, doch die IG Metall ist gut aufgestellt. Mit engagierten Mitgliedern, einer positiven Mitgliederentwicklung und einer hohen Bereitschaft, für gute Arbeitsbedingungen einzutreten, bleibt sie eine starke Stimme für die Beschäftigten in der Region. Gemeinsam stehen wir für gute Arbeit, sichere Arbeitsplätze und eine starke Industrie in Thüringen.